All the good things come to an end

Samstag, 10. Februar, 10:30 Uhr:

Der Wecker klingelt, lange war die letzte Nacht. Leicht verkatert stolper ich aus dem Bett und packe mal wieder mein Backpack, doch heute ist es anders als sonst. Ein letztes mal drücke ich verzweifelt all meine Sachen in den Rucksack der mich zweieinhalb Monate begleitet hat.
Heute ist also der Tag, der irgendwann bei jedem kommt der sich auf eine Reise begibt.
Die Gefühle sind gemischt, einerseits freue ich mich riesig auf meine Familie und vor allem auf meine Brüder und andererseits bin ich auch ein bisschen geknickt, dass die schöne Zeit jetzt zu Ende ist.
Ich habe viele tolle Dinge erlebt, viele verschiedene Orte gesehen, war fast am Ende der Welt, zum ersten mal über 5000m und zum ersten mal in einer echten Wüste. Aber eines werde ich auf jeden Fall nie vergessen, die tollen Menschen die ich kennen lernen durfte und die Momente die ich mit ihnen erlebt habe. Und ich freue mich jetzt schon darauf hoffentlich einige bald schon besuchen zu können.

Die letzten Tage habe ich den Leuten  immer wieder  erzählt, dass ich nur noch ein paar Tage habe und dann zurück fliegen werde. Dabei kam immer wieder die gleiche Frage, ob ich mich freue oder ob ich traurig bin, nein man muss sogar sagen, dass viele ihr Beileid mir mitgeteilt haben. So ging es in den Unterhaltungen der letzten Tage also oft um das "wieder Heim kommen" und wie es einem damit wohl geht. Viel damit beschäftigt habe ich mich dennoch nicht damit, bis ich also hier im Flieger sitze und mir diesen Film anschaue, bei dem es um eine wahre Geschichte geht. Es geht darin um einen Mann, der beim Anschlag auf den Boston Marathon beide Beine verloren hat und plötzlich begreife ich, wie absurd die Diskussionen um die Heimkehr nach der Reise eigentlich waren.
Der Film bringt mich zum nachdenken und ich erinner mich daran, wie eine Freundin mir erzählt hat, dass die Menschen in Bolivien zum Teil ihre Kleider im Fluss gewaschen haben.
Ich erinner mich auch wieder daran, dass in San Pedro plötzlich kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn kam, weil dort Wasserknappheit herscht.
Was bedeutet das alles also?
Ich möchte mich nicht mit den Gedanken beschäftigen, ob es komisch ist wenn man nicht mehr am reisen ist.
Ich bin unendlich dankbar, dass ich mich nicht damit beschäftigten muss wie ich ohne Beine durch den Alltag komme. Dankbar dafür dass zu Hause immer Wasser aus der Leitung kommt und ich nicht zum Wäsche waschen zum nächsten Fluss gehen muss.

Ich freue mich also dass ich die Möglichkeit hatte so viel zu erleben und trauer keinen Tag hinter her den ich noch länger in Südamerika bleiben hätte können, sondern bin dankbar über jeden Tag den ich hatte.

So jetzt aber genug Philosophie.
Somit möchte ich noch ankündigen, dass dies mein vorletzter Post sein wird.
Die nächsten Tage wird noch einer folgen, der weder Worte noch Bilder enthalten wird, dafür aber endlich ein Video.

Zweieinhalb Monate in einem zweieinhalb minütigem Video mit den Film-Highlights der kompletten Reise.
Spätestens Freitag wird der letze Post und das Video in die weiten des World Wide Web geschickt.

Somit bis spätestens Freitag.
Ich hoffe ich konnte während der gesamten Zeit so viele Impressionen wie möglich über meine Texte und Bilder durch die ganze Welt senden.

¡Hasta luego!😊

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