Der ungebremste Facettenwechsel
Mittwoch 06. Dezember 2017:
Während mir auf Instagram das fröhliche Weihnachtsmarkt-Glühwein-Besäufnis nahezu bei jeden Post entgegen springt, machen wir uns auf den Weg zum Flughafen.
Nächster Halt Bariloche.
Aus den Flugzeuglautsprechen ertönt die Stimme des Piloten, noch 20 Minuten bis zur Landung. Längst wurde mein entspannter Schlaf durch Turbulenzen unterbrochen.
Der peitschende Wind in Patagonien soll es in sich haben, manchmal drückt er die Leute zu Boden, so eine Backpackerin die wir in Buenos Aires getroffen haben.
In Bariloche gelandet schnappen wir uns ein Taxi, wieder setze ich mich nach vorne und ich versuche mich mit dem älteren Mann zu unterhalten, die Qualität meines spanisch befindet sich noch immer außerhalb der Punkteskala. Dennoch ich schaffe es ihn zu fragen wo er her kommt und ob ihm Patagonien gefällt. Als Patagonier, falls man die Leute hier so nennt, liebt er die Gegend.
-24 Grad sind hier im Winter keine Seltenheit, So meinte er. Es sei dann schon ein wenig kalt.
Aus Buenos Aires kommend erleben wir hier einen Unterschied der Regionen, wie er größer nicht sein könnte.
Atemberaubend schön ist es hier. Die Berge zum Teil noch leicht mit Schnee bedeckt, die Überbleibsel der harten Winter. Die Straßen haben zum Teil tiefe Schlaglöcher und sie widerspiegeln die extremen Unterschiede, die hier zwischen Sommer und Winter herrschen.
Am Hostel angekommen tuen wir uns erst schwer dieses zu finden, eines wussten wir jedoch, es muss in einem Hochhaus sein. Nach kurzem Nachfragen die Erkenntnis, wir stehen direkt davor.
Ab geht es in den 10. Stock.
Jetzt macht der Name des Hostels Sinn - "Penthouse Hostel".
Oben angekommen staunen wir nicht schlecht, der Blick aus den Fenster ist unglaublich. Der See, dahinter die zum Teil schneebedeckten Berge und über all diese Gelb blühenden Büsche. Leider reicht mein floristisches Wissen hier nicht aus, um diese genauer zu bestimmten.
Wir sind fasziniert von Gegend, kochen noch etwas und wollen die Planung für die nächsten Tage an diesem Abend voran bringen.
Nach kurzer Zeit wird mir klar, ohne Alkohol wird der ohnehin schon zähe Planungsprozess praktisch unerträglich.
Nachdem der Bierkonsum der letzten Tage meine Reisekasse jedoch extrem strapaziert hat, lasse ich mich dazu überreden eine Flasche Wein zu kaufen, statt des üblichen Bieres.
Ich schlendere durch die Weinabteilung im Supermarkt, sehe diese eine Flasche und mir ist klar, dass ist der perfekte Tropfen. Einen schöneren Namen hätten die argentinischen Winzer nicht finden können - "Benjamin". Dass dieser Wein wohl einer der Besten sein wird, die ich je trinken werde, war somit schon vorher klar.
Zurück im Hostel sitzen wir auf dem Balkon, genießen den besten Wein der Welt und bewundern wie der Israeli Gittare spielt. Singen tut er nicht, er weiß dass er das nicht kann. Dennoch versucht er es und fordert mich auf zu singen.
Ich verschone die Ohren der anderen Gäste, denn ich bin mir darüber bewusst, dass singen nicht meine Stärke ist.
So sehr idyllisch diese Szenen klingen, für mich ist das alles ein bisschen zu kitschig und die Leute hier sind alle mindestens so alt wie ich bzw. eigentlich immer älter.
Mir fehlen die jungen Leute aus Buenos Aires, die lieber Bier trinken und feiern gehen, anstatt kitschige Lieder auf der Gitarre zu spielen.
Spaß ja, Seriosität nein Danke. Schließlich bietet der deutsche Alltag genug davon.
Donnerstag, neuer Tag, neue Impressionen:
An dieser Stelle wirklich erwähnenswert, das einzigartige Bad des Hostels. Die Aussicht ist unbeschreiblich(Bilder).
Gemütlich wird gefrühstückt um am Nachmittag die erste Wanderung zu starten. Für mich war klar, wenn ich mir schon Wanderschuhe kaufe, dann muss ich diese auch wenigstens nur einmal getragen haben.
Das gute an dieser Stelle, der Weg zur ersten Etappe war so unglaublich trocken und staubig, dass meine Schuhe jetzt so aussehen wie wenn ich halb Patagonien durchquert hätte, was für mich eigentlich schon ausreichend wäre.
Zurück zum Thema:
Wir starten also diese kleine Wanderung, 2h soll diese gehen und dabei vor allem ziemlich steil sein.
Nach einer halben Stunde sind wir oben, ein schnelles Tempo ließ für mich die scheinbar ineffizienteste Fortbewegungsart die dieser Planet zu bieten hat erträglicher machen.
Oben angekommen peitscht der Wind einem wieder um die Ohren, es scheint als würde man immer wieder daran erinnert, dass diese Gegend ungemütlich werden kann, wenn es die Natur es so will.
Die Aussichtsplattform liefert einen wunderschönen Blick über die Landschaft. Berge, der See und diese gelb blühenden Büsche zieren die Landschaft.
An dieser Stelle sagen die Bilder mehr als alle Worte. Grund genug diesen Post hiermit zu beenden.
Bis bald!
Ps. An dieser Stelle wollte ich eigentlich die ersten Videos zeigen, die Qualität des Internets holt mich jedoch auf den Boden der Tatsachen zurück und zeigt mir, dass Bewegte Bilder in diesem Blog wohl eher schwierig zu integrieren sind. Evtl. ändert sich die Situation in Chile.
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